BierBikes: Vielfalt oder Ärgernis?

Seit einiger Zeit gehören sie zum Bild unserer Innenstädte: Bier-Bikes.

BierBike in Berlin

Mit Fahrrädern haben diese Bikes auf den ersten Blick lediglich den Antrieb gemein. Laut Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) gelten für diese Fahrzeuge jedoch grundsätzlich die Regeln, die auch für Fahrräder gelten. So sind sie zulassungsfrei, benötigen also kein Kennzeichen, keine HU und dürfen auch von Fahrern gelenkt werden, die über keinen Führerschein verfügen. Radwege müssen vom BierBike nur genutzt werden, wenn dies zumutbar ist – da Bierbikes ca. 2,3 m breit sind, entfällt dies also in den meisten Fällen.

Zum Betrieb der Bierbikes führt die Website des Lizenzgebers aus:

Nach einem Gutachten des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) ist das BierBike offiziell ein Fahrrad und dementsprechend für den Straßenverkehr zugelassen.

[via bierbike.de]


Der Münchner Blog Münchenierung hat kürzlich darüber berichtet, dass einige Behörden versuchen, den Betrieb von BierBikes durch Auflagen zu verhindern:

Officials in Munich reacted to complaints from residents and motorists about the rowdy behaviour on the Bierbikes as well the traffic congestion the vehicles cause and have now banned Bierbikes on “public streets, paths and squares”.

[via] / [Google-Übersetzung]

Dass Autofahrer sich über Behinderungen des Verkehrs durch BierBikes beschweren verwundert nicht. Würden die Großstädte, die häufig auch vom Tourismus abhängig sind, darauf mit Verboten reagieren, müssten natürlich auch Velotaxis und Pferdekutschen verboten werden. Diese gehören jedoch – zumindest in der Berliner Innenstadt – mittlerweile zum festen touristischen Angebot.

Nicht hinnehmen sollten die Behörden jedoch, wenn BierBike-Kunden betrunken und pöbelnd die Straßen heimsuchen. Hier sind die Betreiber – und letzten Endes die lokalen Ordnungskräfte – gefragt. Eine liberale Stadt sollte genug Toleranz aufbringen, auch solche Erscheinungen hinnehmen zu können. Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit ist in Deutschland nicht verboten, und – ob man dies mag oder nicht – auf dem Vormarsch: Biergenuss auf unseren Straßen und in Bahnen ist ein alltägliches Bild, alkoholträchtige Kremserfahrten zum „Herrentag“ werden ebenfalls toleriert. Ob man den Hebel ausgerechnet am Beispiel der BierBikes ansetzen muss, ist zumindest diskussionswürdig.

Advertisements

Über BikeBlogger

Radfahrer. Blogger. Mensch. https://www.bikeblogger.de/

Veröffentlicht am 5. Oktober 2011 in Berlin und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Wie funktioniert das? Alle trinken und strampeln und einer lenkt? Und trinkt der Lenker auch? Und was ist der besondere Kick an der Sache? Sorry für meine doofen Fragen, aber als Landei hab ich sowas noch nicht in freier Wildbahn gesehen.

    • Alle Gäste müssen / sollen in die Pedale treten, der Fahrer / Lenker ist der einzige, der definitiv nüchtern bleiben muss. Er ist der Subunternehmer / Angestellter des lokalen Bierbike-Veranstalters.

  2. Ich finde es in jedem Fall gefährlich. Ausserdem trinken viele auf diesem lustigen Rad. Ich glaube ja nicht, dass es richtig ist als Verkehrsteilnehmer Alk zu trinken. Hoffe, dass man da härter durchgreift und diejenigen die an- oder betrunken damit fahren bestraft.

  3. Für mich definitiv ein Ärgernis. Ich stehe in Köln öfters an einer Bahnhaltestellte, an der die Bierbike auf dem Weg von oder zu ihrem Stützpunkt vorbei müssen. Meistens hört man das Gegröhle schon bevor das Bike überhaupt zu sehen ist. Rollender Ballermann! Mit Fahrradfahren, wie ich es bislang verstanden habe, hat das Ganze so gut wie nichts gemein. Da werden Passanten übel angepöbelt und ungehemmt in die Gegend gepullert. Insofern ist die wohl Art der Vermarktung das Problem und nicht das Bierbike an sich. Aber wer trennt das schon…

  4. Es hat schon öfter Probleme mit Betrunkenen gegeben , die dann einfach auf die Strasse gesprungen sind und so Unfälle verursacht haben. So ein Bierbike ist nicht ohne und dass es als Fahrrad angesehen wird kann ich sowieso nicht verstehen. Es ist doch grösser als so manches Auto! Was passiert den nwenn die Leute so betrunken sind, dass sie nicht mehr treten können bzw. wollen, dann treibt da sganze nur der Faher an, mit 4km/h?

  5. Am Ende des Artikels steht es schon: in Anbetracht der Ausbreitung und Schäden von Alkoholismus (Tote 5-stellig, Abhängige 7-stellig, wieviele „ich muss nicht, ich kann jederzeit aufhören“?) sind Bierbikes eben ein Symptom des öffentlichen Konsums, die Rache eines überschätzten Gebräus an der Promillegrenze…

    Ich habe auch den Eindruck, dass der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit zugenommen hat, vielleicht bin ich aber mitlerweile angesichts von Gegröhle, Kotze, Urin, Gestank und Scherben (Fahrradcontent ;)) einfach nur massivst angewidert (neuerdings ist hier [tm] nämlich neben asi auch hippe Scheiße…).

    Kurz: Ärgernis: auf jeden Fall, Verbot: nein