Mahnwache anlässlich der am 04.04.2011 getöteten Radfahrerin

Es ist die zweite tote Radfahrerin in Berlin in diesem Jahr. Ursache ist „das übliche“ – ein rechtsabbiegender LKW. Dieser Unfalltyp ist Todesfalle Nummer 1 für Radfahrer. Und obwohl diese Unfallkonstellation sich seit Jahren wiederholt, scheinen die Verantwortlichen überhaupt keinen Handlungsbedarf zu sehen.

 

© Anke K.

Anfahrt

Im Radspannereiblog las ich von der Mahnwache (klick) und da ich heute Zeit hatte, entschloss ich mich kurzerhand zum Wache schieben. Die Fahrt war kein Traum. Ich kam aus Richtung Neukölln über die Sonnenalle in mir unbekanntes Terrain. Als ich nach links auf den Dammweg bog, wurde es schon ungemütlich. Die Fahrbahn ist schmal, knapp zweispurig, Autos stehen trotz Halteverbot und tun ihr übriges. Die Fahrbahn verengt sich auf eine Spur pro Seite, rechts erscheint dann ein gammeliger Radweg. Ich entscheide mich für die Fahrbahn, ein DHL-Auto will sich zu mir auf den Gepäckträger setzen, so dicht fährt/steht er hinter mir. Die Kreuzung Kiefholzstraße ist nicht weit.

Kleine Versammlung

Der ADFC war mit Banner und zweiköpfigem Personal vor Ort, dazu ein paar Leute, die wie ich vom Aufruf zur Mahnwache erfahren haben. Presse in Form des rbb, der Berliner Woche, des Tagesspiegel und der radzeit (zählt die auch zur Presse?). Dass sich an einem Mittwoch um 11 Uhr vormittag nur wenige Menschen einfinden, war absehbar. Der ein oder andere Radfahrer schaute ungläubig bis interessiert, eine Gruppe Fußgänger hielt an und fragte nach dem Hintergrund der Versammlung.

Eindruck vom Unfallort

Die Kreuzung ist klein. Sie wurde zu Zeiten gebaut, als das Verkehrsaufkommen und insbesondere der Anteil an LKW um ein Vielfaches geringer ausfiel. In den 1,5 Stunden, in denen ich dort stand, war dort ein permanentes Verkehrsaufkommen von und in alle Richtungen. Beim Abbiegen, speziell beim Rechtsabbiegen kommen die LKW nur knapp um die Kurve, sie müssen weit ausholen und fahren mit dem Hinterrad trotzdem auf der Gehwegkante. Fazit: es ist laut, es ist gefährlich, ich empfand es anfangs als sehr bedrückend. Das Erschütterndste für mich war die fast verwischte Markierung, bis zu der die Radfahrerin geschleift wurde.

Fassungslos

Zwei LKW-Fahrer ließen es sich nicht nehmen, beim Vorbeifahren um Aufmerksamkeit zu hupen und mit ihrem Mittelfinger ihre Verachtung dem Leben anderer Verkehrsteilnehmer gegenüber zu demonstrieren.

via Ein Posterous für Anke

[Anm. BikeBlogBerlin: inzwischen ist dies der dritte tödliche Fahrradunfall in Berlin 2011. Ohne Todesfälle relativieren zu wollen möchte ich anmerken, dass die ersten beiden Todesfälle nach meinen Informationen keine „typischen“ Fälle waren: ein Todesfall wegen (so die Meldungen) Nichtbeachten der Ampel an einer Straßenbahntrasse und ein Todesfall nach einem durch einen Hund verursachten Sturz. Lediglich dieser hier geschilderte Fall „passt“ in die üblichen Unfallstatistiken: LKW + Rechtsabbieger. Auch ohne Klärung der Schuldfrage zeigt dieser Todesfall, dass hier dringender Handlungsbedarf auf der Seite der Politik vorhanden ist.]

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Veröffentlicht am 7. April 2011 in Berlin, Verkehrsunfall und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Kommentare deaktiviert für Mahnwache anlässlich der am 04.04.2011 getöteten Radfahrerin.

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