Online-Petition für Tempo 30

Unter diesem Link kann eine Online-Petition für Tempo 30 in geschlossenen Ortschaften mitgezeichnet werden.

Der Text und die Begründung sind kurz aber nachvollziehbar:

Text der Petition

Mit der Eingabe wird eine Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung dahingehend gefordert, dass die Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften von 50 km/h auf 30 km/h abgesenkt wird.

Begründung

Vehrsberuhigung und weniger Verkehrsunfälle mit Kindern

Interessant sind die Kommentare zu dieser Petition. Der Tenor lautet, dass man damit den Verkehr behindern würde. Mich würde interessieren, in welcher deutschen Stadt auf normalen Stadtstraßen (Autobahnen also ausgenommen) eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 30 km/h tagsüber möglich ist. In Berlin jedenfalls nicht.

Natürlich wäre eine durchgängige Geschwindigkeit von 30 km/h gewöhnungsbedürftig. Aber spielt es eine Rolle, mit welcher Geschwindigkeit man von einer roten Ampel zur nächsten roten Ampel, von einem Stau zum nächsten Stau gelangt? Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird nach meinen Erfahrungen als Führer von Kraftfahrzeugen nicht von der gefahrenen Geschwindigkeit bestimmt sondern von der Anzahl an Kraftfahrzeugen, die ein flüssiges Fahren behindern.

Wenn man dann bedenkt, dass der Ausgang von Verkehrsunfällen zwischen PKW und Fußgängern oder Radfahrern in hohem Maße davon abhängt, mit welcher Geschwindigkeit der PKW sich bewegte, dann gibt es kaum noch Argumente für Tempo 50. Ein Grundrecht auf 50 km/h gibt es glücklicherweise nicht.

Bis zum 26.11.2010 mitzeichnen!

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Veröffentlicht am 29. Oktober 2010 in Allgemeines, Verkehrsunfall und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Zwiespältig. Also eine Heerstraße oder eine Bundesallee möchte ich mir nicht mit 30 vorstellen, das bringt auch IMHO weder der Sicherheit noch der Umwelt was. Aber für solche Straßen kann es ja noch imemr Ausnahmen geben.
    Aus der Sicht des (flinkeren) Radfahrers und der Erfahrung in kleineren Straßen: In Straßen mit Tempo 30 hab ich gefühlt mehr Streß mit Autofahrern. Ich fahre meist so 30-35 km/h. Das führt i.d.R. dazu, daß zwanghaft überholt werden muß, bloß um mir dann mit dem Auspuff im Weg zu stehen oder abzubiegen oder sonstwas. Bei Straßen mit größerem Geschwindigkeitsunterschied (sprich 50 erlaubt) habe ich das Gefühl, daß Autos dann entweder einfacher schneller und weg sind oder kurz vor dem Abbiegen oder einparken doch eher mal bereit sind, ein paar Meter hinter mir zu fahren.
    Ebenso: ein heruntergebremster Verkehr kann nur dann ein Anreiz sein, wenn man im Gegenzug mal nicht nach einen kostendeckenden ÖPNV schreit, sondern die Kosten dafür genau als Infrastrukturkosten als gegeben hinnimmt wie beim Bau einer neuen Autobahn.
    Wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit aber sinken sollte (das müßte man mal empirisch ermitteln), dann heisst das auch im gegenzug, daß jedes einzelne Auto länger auf der Straße unterwegs ist und der Verkehrsraum damit noch enger wird. Mehr Enge bedeutet dann wieder mehr Streß und weniger Sicherheit.

    Also ich stehe dem Thema auch als Nicht-Autofahrer sehr, sehr zweispältig gegenüber und glaube, daß die Zusammenhänge nicht gar so einfach sind, wie man das gerne hätte.

  2. Das mit dem Stress in Tempo-30-Zonen kann ich bestätigen. Oft muss ich dem Autofahrer klar machen, dass ich das Überholen nicht zulassen kann, weil ich sonst gefährdet würde. Was etwas merkwürdig klingt hat leider einen ganz konkreten Hintergrund: häufig überholen PKW-Fahrer auch in solchen meist engen Straßen, in denen sie nur langsam überholen können und in denen nebeneinander zu wenig Platz ist, so dass sie dann direkt vor mir wieder auf die Spur einschwenken müssen – und mich dadurch zu gefährlichen Bremsmanövern zwingen. Oft geschieht dies kurz vor Erreichen einer Autoschlange, so dass der PKW vor mir auch noch abbremsen muss.
    Wenn ich dies vorher bemerke ziehe ich dann mit dem Rad schon frühzeitig nach links um das – verkehrswidrige – Überholen des PKW zu verhindern.
    Nur: wenn wir diese Diskussion zuende führen würden kämen wir zum Ergebnis, 50 km/h in Städten ist besser als 30 km/h, so dass die Abschaffung von Tempo-30-Zonen die notwendige Konsequenz wäre.
    Ich möchte behaupten, dass dieses Phänomen eher uns schnelle Radfahrer betrifft, den „Durchschnittsradler“ hingegen weniger. Diesen Nachteil würde ich für mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer in Kauf nehmen.

    Du hast dann noch die Erhöhung der Verkehrsdichte durch die Absenkung der Durchschnittsgeschwindigkeit angesprochen. Dies bezweifle ich. Nach meinen Erfahrungen treffe ich auf Strecken im Berufsverkehr auf einem Weg häufiger auf die gleichen PKW: sie fahren schnell von der Ampel weg, sind aber auch schnell an der nächsten roten Ampel oder an der nächsten Schlange, so dass ich sie dann doch einhole. Würden die PKW grundsätzlich mit geringerer Geschwindigkeit (mit 30 km/h also in etwa so schnell wie ich als Radfahrer) diese Strecke zurücklegen wäre deren Durchschnittsgeschwindigkeit kaum niedriger als bei höherer Geschwindigkeit.
    Aus meiner Erfahrung möchte ich folgendes behaupten: nicht die auf der Strecke erreichte Maximalgeschwindigkeit bestimmt den Schnitt maßgeblich, sondern die Zeit, in der das Fahrzeug nicht oder fast nicht bewegt wird.

  3. Durchschnittsgeschwindigkeit: Daß man immer die gleichen trifft ist auf einer Straße wie der Uhlandstraße wahr. Auf der Bundesallee oder der Heerstraße stimmt das aber schon nicht mehr, da kann ich selbst als schneller Radler und auch oft im Berufsverkehr nicht mithalten. Auf die gesamtstrecke schaff ich das oft wieder, weil ich Abkürzungen nehmen kann.
    Nein, ich möchte nicht die Abschaffung der 30-Zonen propagieren, denn die unterschiedlichen Geschwindigkeiten sind ein Mittel der Verkehrssteuerung. Wenn Du auf der Bundesallee auch nur noch 30 fahren darfst, dann werden einfach sehr viel mehr Leute mit ihren Autos die Nebenstraßen verstopfen, weil sie meinen dort schneller zu sein. Du drängst damit noch mehr Verkehr von den Hauptstraßen in die Wohn- und Nebenstraßen ab. Da liegt der Haken.