Der Autofahrer blieb unverletzt

Der Autofahrer blieb unverletzt.
Quelle: Pressemeldung der Berliner Polizei Nr. 3136 vom 08.10.2010

Auf einen entsprechenden Satz machte mich während des ADFC-Herbstchecks ein Radfahrer aufmerksam. Ihm war aufgefallen, dass dieser Satz regelmäßig in der Berliner Zeitung abgedruckt wurde, wenn über Unfälle zwischen Radfahrern und KFZ berichtet wurde. Offensichtlich schreibt die Berliner Zeitung wörtlich die Pressemeldung der Berliner Polizei ab.

Ob es nun Gedankenlosigkeit oder Ignoranz ist: der Satz ärgert. Bei einem Unfall zwischen einem PKW, der ca. 1.200 kg wiegt und mit 50 km/h fährt und einem Fahrrad, das mit Fahrer ca. 100 kg wiegt und mit 30 km/h fährt, verfügt der PKW über eine ca. 30-fach höherer kinetische Energie als das Fahrrad. Selbst, wenn das Fahrrad ein massiver, unverformbarer Körper wäre, würde dessen Aufprall das Auto nicht abrupt abbremsen oder gar dessen Fahrgastzelle beschädigen. Fährt der PKW nur mit 30 km/h, ist das Verhältnis der kinetischen Energie immer noch > 1:10. Nicht berücksichtigt wurde dabei die Richtung, aus der die Kraft jeweils wirkt.

Wenn man dies und die Sicherheitseinrichtungen des PKW wie Airbag, verwindungssteife Fahrgastzelle etc. berücksichtigt ist der Satz: „Der Autofahrer blieb unverletzt.“ eine weitere, diesmal verbal ausgeführte Verletzung des radfahrenden Unfallgegners.

@Pressestelle der Polizei und @Berliner Zeitung: auch Ihnen sollte es möglich sein, vor dem Schreiben nachzudenken.

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Veröffentlicht am 12. Oktober 2010 in Berlin, Verkehrsunfall und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Bei der Zeitung stimme ich Dir zu, bei der Pressestelle nicht. Ich finde es ok, dass bei einer Pressemitteilung über den Zustand aller Beteiligten berichtet wird. Das ist m.E. die Pflicht der Polizei, auch wenn das bedeutet, dass es zynisch klingt. Dafür muss halt eine möglichst neutrale Sprache gefunden werden.

    Zu den Verletzungen: manchmal müssen auch die Autofahrer z.B. mit einem Schock eingewiesen werden, es ist nicht jedem gegeben, schadlos andere Menschen zu verletzen/töten.

    Gruß, Ekkart.

    • Über die „neutrale“ Sprache der Polizeimeldungen bei Unfällen mit Beteiligung von Radfahrern gibt es eine recht aktuelle Diskussion im Blog der Radspannerei

      • Ja, das mit der Sprache schaffen die nicht immer (ok, sehr selten), aber mir ging es um den von Dir geschilderten Fall, wo es halt zynisch klingt, wenn man Informationen neutral rausgibt.